Die jüdische Gemeinde in Hersbruck

Hersbruck liegt ca. 20 km östlich von Nürnberg entfernt und ist mit rund 12.500 Einwohnern nach Lauf a.d.P. und Altdorf die drittgrößte Stadt im Nürnberger Land. Der Urpsrung des Ortes ist wohl im 8. oder 9. Jahrhundert zu suchen. Um das Jahr 1000 entstand eine Brücke über die Pegnitz. Hier forderte die Obrigkeit über den Dienstmann Haderich Zoll ein. So entstand der Name "Haderihesprucga" (Haderichsbrücke). [075]

Hersbruck entwickelte sich recht schnell zu einer Siedlung mit Münz- und Marktrecht (1057), das von Kaiser Heinrich IV. verliehen wurde. [076] Dies zog wohl auch frühzeitig jüdische Händler an. So entstand eine jüdische Kultusgemeinde, deren Exisitenz urkundlich verbrieft ist. Diese Gemeinde wurde jedoch während des Rintfleisch-Aufstandes 1298 ausgerottet. [077]

Da das Hersbrucker Stadtarchiv 1945 bei einem Brand fast völlig zerstört wurde, fehlen heute alle Hinweise auf die jüdische Gemeinde. So ist auch nicht mehr bekannt, ob Hersbruck über eine Synagoge oder einen Friedhof verfügte. Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass sich zumindest eine Synagoge oder ein Betsaal und eine Mikwe im Ort befand. Hersbruck war im weiteren Umkreis die einzige Kultusgemeinde im heutigen Nürnberger Land. Die Gemeinden der Medinath Ashpah entstanden erst wesentlich später. Daher hätten Hersbrucker Juden zum Gottesdienst nach Nürnberg reisen müssen.


Im Ort selbst gibt es ebenfalls keine Hinweise mehr auf eine jüdische Gemeinde - so sind auch keinerlei Flur- oder Straßennahmen überliefert, die evtl. auf Bauwerke schließen lassen. Nicht einmal mündliche Zeugnisse, wie Anektoden oder Legenden sind überliefert. Auch für die Zeit nach 1298 sind keine Anhaltspunkte auf jüdische Bürger in Hersbruck mehr zu finden.

Ab 1504 unterstand Hersbruck der Reichsstadt Nürnberg und war eines der wichtigsten Pflegeämter [076]. Der Einfluss Nürnbergs hatte auch entscheidenden Anteil am Umgang mit jüdischen Bürgern, die zu diesem Zeitpunkt Hersbruck nur als Hausierer oder Händler besuchten. Die Nürnberger unternahmen bis weit in das 19. Jahrhundert hinein zahlreiche Versuche, die Tätigkeiten der fahrenden Händler zu unterbinden. So wurden viele jüdische Hausierer auch vom Pflegeamt Hersbruck unter oft fadenscheinigen Anklagen verhaftet und mit hohen Geldstrafen belegt. Die meisten jüdischen Händler waren bettelarm und hatten nur das Nötigste zum Überleben. [078]

Auf dem dritten Schnaittach Friedhof befinden sich auch zwei Gräber von Hersbrucker Juden: Salomon und Getta Prager aus den Jahren 1897 bzw. 1902.


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[075]
Quelle: Daten und Fakten von der Homepage der Gemeinde Hersbruck
http://www.hersbruck.de/stadtinfo/geschichte.php?goto=02

[076]
Quelle: Karl Bosl et al.: "Handbuch der historischen Stätten Deutschlands - Bayern", Alfred Kröner Verlag Stuttgart, 3. Aufl. 1981, S. 289 ff.

[077]
Quelle: Israel Schwierz: "Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern",
Hrsg. Bay. Landeszentrale f. pol. Bildung, München 1988, 1. Auflage, S. 161f

[078]
Arndt Müller: "Geschichte der Juden in Nürnberg", Selbstverlag der Stadtbibliothek Nürnberg, 1968, 1. Auflage, S. 126 und 152