Etwas sieben Jahre nach Erstellung des Plans war die Reparatur des Dachstuhls der Frauensynagoge erforderlich. Von besonderem Interesse ist die Lage und Anzahl der Fenster sowie der Aufbau des Dachstuhls. Ein Querschnitt auf dem selben Plan zeigt übrigens drei Durchlässe, die dazu dienten, dass die Frauen dem Gottesdienst folgen konnten. In der Regel waren diese "Fenster" noch mit einem halbdurchlässigen Sichtschutz versehen, z.B. einem Weidengeflecht oder kunstvollen Gittern aus Schmiedeeisen. Diese drei Druchlässe sind in der gleichen Form auch auf der Rekonstruktion der Synagoge nach dem Plan aus Harburgers Bestand zu erkennen.
Zwischenstadien der Synagogenrekonstruktion
Da lange Zeit keine Abbildungen oder exakten Pläne vorlagen, mussten sich die zwischenzeitlichen Rekonstruktionen auf das vorhandene Material stützen. Im Einzelnen waren dies
- Plan von 1935 mit Grundriss und Maßangaben
- Ortsplan von 1938 mit eingezeichneter Synagoge
- Ortskizze mit Synagoge und direkter Umgebung
- Dokumente über Abriss der Synagoge und Verbleib der Baumaterialien
- Dokumente zu Entschädigungszahlungen mit versicherungs- und bautechnischen Angaben
- Augenzeugenberichte, teils schriftlich, teils mündlich
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Diese Unterlagen liefern eine Anzahl übereinstimmender Daten, die für eine Rekonstruktion herangezogen werden konnten. Die vorliegenden Akten und Berichte liefern auch eine Antwort auf die Frage, ob die Synagoge in der Reichspogromnacht gebrannt hat oder nicht. Dieses Thema wird in Forth z.T. sehr kontrovers diskutiert. Um es gleich vorweg zu nehmen: Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Synagoge tatsächlich in Flammen gestanden hätte.
Sicher ist, wie erwähnt, dass die Synagoge renoviert wurde. Der Grund für den Umbau der Synagoge war Baufälligkeit, denn viele der Materialien stammten noch aus dem 18. Jahrhundert und waren vom Verfall bedroht. Ob es nochmals eine Baumaßnahme gab, ist nicht völlig klar, aber bereits einige Jahre vor Ausbruch des 1. Weltkriegs stellten die Forther Juden einen Antrag auf Unterstützung für den Umbau. Ein Dokument aus dem Jahre 1952 [035] weist auf 1914 hin und gibt den Neuwert der auf einem Stall errichteten Frauensynagoge an:
"Neuwert 1914 (Synagogenraum): 1.150,-- Mark"
Wann genau und ob nun die Synagoge tatsächlich nochmals umgebaut wurde, lässt sich nicht mehr mit absoluter Sicherheit sagen. Es könnte sich dabei auch durchaus um die bereits erwähnten Umbauten aus dem Jahre 1888 handeln.
Von besonderer Bedeutung für die Rekonstruktion der Synagoge ist natürlich neben den Mauern die Dachform und hier gab es lange Zeit sehr widersprüchliche Angaben. Die Frage war, ob die Synagoge ein Walm- oder ein Satteldach hatte.
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