| Zu den religiösen Einrichtungen gehören auch die rituellen Bäder. Sie haben im jüdischen Leben eine sehr wichtige Bedeutung und viele Juden haben sich - meist im Keller - eine eigene Mikwe angelegt. Das Charakteristische an den Bädern ist, dass sie nur von natürlichem Wasser gespeist werden dürfen, also Grund-, Quell-, Fluss- oder Regenwasser. Auch in Forth waren mehrere dieser Bäder über die Jahrhunderte vorhanden. Da es anscheinend immer wieder zu Krankheitsfällen in Verbindung mit den Mikwaot (= Mz. von Mikwe) kam, ordnete die "Königliche Regierung des Rezat Kreises! Kammer des Inneren!" [028] 1828 eine Untersuchung der Bäder in Baiersdorf, Bruck und Forth an.
Für Forth kommt das "Königliche Landgerichts-Pyhsikat" zu folgendem Ergebnis:
"Zu Forth, wo 40 jüdische Familien ins Matrikel eingetragen sind, ist eben so schlecht als zu Bruck für diese Anstalt gesorgt. Obgleich ebenfalls zwei dergleichen Quellenbäder daselbst vorhanden sind; so wird doch nur das dem Max Weidner gehörige benützt, indem das zweite, welches dem Joseph Froschmann gehört, nur selten genug Wasser hat. Das erstgenannte Quellenbad ist in einer gegen Mittag gelegenen Küche und besteht in einem länglicht viereckigen 7 Schuh langen und 4 Schuh breiten mit Quader ausgemauerten Behältniß, in welches 5 Treppen hinabführen und das mit alten Brettern bedeckt ist. - Das Wasser, in einer Temperatur von 6 Graden, ist dem Ansehen nach rein und hell, ob es gleich das ganze Jahr nicht ausgeschöpft wird.
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Nur bey bedeutender Kälte ist es dem Zufrieren ausgesetzt. Wegen des in der Küche befindlichen Herdes könnte das Quellwasser des Bades wohl durch Zugießen von warmen Wasser gewärmt werden; dies geschieht jedoch wegen des damit verbundenen Kostenaufwandes höchst selten.
Hinsichtlich des Gebrauchs dieser jüdischen Quellenbäder zu Forth und Bruck findet dasselbe statt, was von dem Gebrauch derselben zu Baiersdorf gesagt worden ist, woraus von selbst erhellet, wie sehr die Gesundheit diesen ohnedies meist schwächlichen Menschen dadurch gefährdet wird, weshalb eine Verbesserung derselben äußert wünschenswerth bleibt."
Diese Beschreibung ist heute ein wichtiges Dokument. Abgesehen von allen hygienischen Problemen gibt der Artikel doch eine sehr gute Beschreibung des Bades. Nachdem die letzten Juden ihre Gemeinden verlassen mussten, wurden die Bäder vielfach achtlos zugeschüttet, überbaut oder einfach zweckentfremdet. So sind verhältnismäßig wenige Bäder erhalten, obgleich ihre Zahl damals wohl recht hoch war.
Eine weitere Mikwe war in den Kellerräumen der jüdischen Schule zu finden. Dieses Gebäude befand sich im Bereich der heutigen Forther Hauptstraße 62. Auch Harburger erwähnt dieses Ritualbad, beschreibt es aber als "ehemaliges" Bad. Zusätzlich notiert er, dass das Schulhaus aus den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts stammt [029].
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[028]
Original im Staatsarchiv Nürnberg, Kdl. Abg. 1932, V (Medizinalwesen), Nr. 312, Erlangen 27. November 1828
Abschrift in den Ortsakten zu Forth in der Bibliothek des Jüdischen Museums Fürth-Schnaittach
[029]
Aufzeichungen zu Forth von Theodor Harburger. Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem
Mikrofilme einsehbar im Jüdischen Museum Fürth-Schnaittach
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